Armutsbekämpfung, die Armut schafft

Zu den Projekten der "Kreditanstalt für Wiederaufbau" in Nicaragua

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Manche Begriffe haben zur Zeit Konjunktur. Nachdem selbst der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Strukturanpassungsprogramme (SAP) jetzt unter dem wohlklingenderen Label „Maßnahmen zur Verringerung von Armut und zur Wachstumsförderung“ führt, dürfen auch entsprechende deutsche Einrichtungen nicht zurückstehen. Die wohl wichtigste unter ihnen, die „Kreditanstalt für Wiederaufbau“ (KfW) jedenfalls will künftig die „Bekämpfung der Armut“ zum obersten Ziel ihrer entwicklungspolitischen Aktivitäten erheben (1).

Dabei scheint es so, als bedürften bundesdeutsche Organisationen aus diesem Bereich gar keines Imagewandels. Auch hierzulande beschränkt sich die Kritik der Rolle der Industriestaaten bei der marktwirtschaftlichen (Neu-)Formierung der so genannten „Entwicklungsländer“ zumeist auf Organisationen wie den IWF, die Weltbank, die WTO etc. Die bundesdeutschen ProtagonistInnen dieses Prozesses, beispielsweise das „Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“ (BMZ) oder die KfW, finden kaum kritische Beachtung (2). Zu Unrecht, denn wie das Beispiel Nicaragua, seit Anfang der 90er Jahre ein „Schwerpunktland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit“ (3), zeigt, spielen KfW-finanzierte Projekte in manchen Ländern eine zentrale Rolle bei der voranschreitenden Durchsetzung kapitalistischer Vermarktungskriterien und damit einhergehend bei der Beschneidung sozialer Rechte.

Wenn Wasser zur Ware gemacht wird

Fast 40 Millionen Euro stellt die KfW seit 1996 für die Sanierung des Trinkwasser- und Abwassersystems der Städte Matagalpa, Jinotega und Corinto bereit - laut BMZ das derzeit größte Projekt im Rahmen der „finanziellen Zusammenarbeit“ der BRD in ganz Zentralamerika (4). Was auf den ersten Blick als vernünftige, weil notwendige Maßnahme erscheint, offenbart sich jedoch bei genauerer Untersuchung als eine folgenschwere Änderung in der Versorgungssituation gerade wirtschaftlich marginalisierter Bevölkerungsgruppen.

Die öffentlich garantierte Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser war nicht nur politisches Ziel der linksgerichteten sandinistischen Regierung in den 80er Jahren, diese Garantie erhielt zusammen mit dem Verbot der Veräußerung der - die Wasserversorgung betreffenden - staatlichen Infrastruktur 1987 sogar Verfassungsrang. Der entsprechende Artikel 105 ist immer noch in Kraft. Den rechtlichen Rahmenbedingungen zum Trotz wurde Nicaragua 1999 in einem Strukturanpassungsprogramm des IWF vorgeschrieben, den Privatisierungsprozess im Bereich der Wasserversorgung einzuleiten. Zunächst sollte dieser Prozess in den Provinzhauptstädten Matagalpa, Jinotega, Leon und Chinandega vorangebracht werden. Ebenso war in dem SAP festgeschrieben, dass die KfW gemeinsam mit der Interamerikanischen Entwicklungsbank diesen Prozess unterstützen soll (5).

Neben der Finanzierung eines Sanierungsprojekts - in dessen Umfang neben der Erneuerung von Leitungen und Wassertanks auch die Installierung von Wasserzählern fiel -, versuchte die KfW, auch auf ideologischem Gebiet zu „unterstützen“, und damit auch die Zielsetzung der Privatisierungsprozesse zu definieren. Laut eigener Publikationen müsse - um den Erfolg des Projektes zu gewährleisten - beispielsweise die „Zahlungsbereitschaft erhöht werden“. Ebenso sei es notwendig, ein „international erfahrenes privates Versorgungsunternehmen in Form eines Managementvertrages“ einzubinden (6). Dieses solle dann z.B. dafür sorgen, die bereits in dem SAP vorgeschriebenen monatlichen Tariferhöhungen von 1,5 Prozent bis zur Deckung der laufenden Kosten durchzusetzen. Wie jedoch bei einer Bevölkerung, die zu 80% in Armut lebt, und zudem in einer Provinz, Matagalpa, in der nach dem Zusammenbruch des Kaffeemarktes Hungertote zu beklagen sind, „die Zahlungsbereitschaft erhöht werden“ kann, bleibt das Geheimnis der KfW. Diese Forderung offenbart den unglaublichen Zynismus, mit dem die KfW die sozialen Realitäten negiert.

Die zu erwartenden sozialen Konsequenzen einer allein auf marktwirtschaftlicher Effizienz beruhenden Versorgung sind indes abzusehen. Die Erfahrungen mit der „Modernisierung“ und Privatisierung der Stromverteilung, an der auch die KfW mit einem zweistelligen Millionenbetrag mitwirkte (7) und die nach KfW-Eigendarstellung „der Grundstein für eine nachhaltig verbesserte Stromversorgung“ seien (8), sind eindeutig. Verbraucherschutzorganisationen wie KundInnen berichten von drastischen Tariferhöhungen, Stromabschaltungen, überhöhten und schlicht falschen Rechnungen sowie defekten Verteilerstationen, deren Reparatur sich nicht rechnet, womit ganze Gemeinden vom frisch sanierten Stromnetz abgetrennt wurden (9). Hinzukommt, dass die Betreibergesellschaft der Stromverteilung, die spanische Union Fenosa offensichtlich wirtschaftlich schwer angeschlagen ist und so eine generelle Energie-Verknappung befürchtet wird (10). Die KfW ficht dies nicht an. Als gelte es, die eigene Demagogie von der „Armutsbekämpfung“ zu demaskieren, kommt sie in der Auswertung des entsprechenden Projektes zur Schlussfolgerung, dass es rückblickend nur ein einziges generelles Problem gegeben habe: die fehlende rechtliche Handhabe gegen illegales Anzapfen der Leitungen. In Zukunft solle eine solche jedoch zur Auszahlungsvoraussetzung für Projektgelder gemacht werden (11).

Würden die marktwirtschaftlichen Vorstellungen der KfW nun auch im Bereich der Wasserversorgung Realität, so bliebe den Betroffenen in vielen Fällen nur, auf Trinkwasser zu verzichten (mit verheerenden hygienischen und medizinischen Folgen). Auch für etwas besser Gestellte hieße dies, alle anderen Ausgaben, wie für Essen, Kleidung, Energie oder Bildung weitestgehend zu reduzieren, damit die monatliche Wasserrechnung beglichen werden könnte.

Ressourcenschutz - Profiteure und Opfer

Einen weiteren - und gemessen an den Aufwendungen in Nicaragua vor allem ideologisch bedeutsamen - Schwerpunkt des KfW-Engagements bildet der so genannte Ressourcenschutz. Vorzeigeprojekt ist dabei das mit 2,6 Millionen Euro von der KfW finanzierte Projekt der „Gesellschaft für technische Zusammenarbeit“ (GTZ) und des nicaraguanischen Umweltministeriums im Biosphärenreservat von Bosawas im Norden des Landes. Ziel des Projektes sei u.a der „Schutz und die angepasste, umweltverträgliche Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen“ in dem 21.000 km2 großen Reservat. Ein Großteil der bereitgestellten Mittel ist für die Realisierung so genannter „Schutzmaßnahmen“ bestimmt, nach eigenen Angaben Demarkierungen, Bau und Ausrüstung von Kontrollpunkten, Beschaffung von Fahrzeugen, Booten und Kommunikationsmitteln (12). Zwar formuliert die KfW in ihrer Projektdarstellung auch - ganz modern - das Ziel der Verbesserung der Lebensbedingungen der ansässigen Bevölkerung, Realität ist jedoch, dass sich die sozialen Widersprüche durch die Errichtung und den „Schutz“ des Reservats immer weiter zuspitzen.

Bosawas ist nicht nur eines der entlegensten Gebiete Nicaraguas, sondern auch einer der sozialen Brennpunkte des Landes. In der 90er Jahren waren nicht weniger als drei bewaffnete Organisationen (13) in dem Gebiet aktiv, die bei allen ideologischen Unterschieden doch den gleichen sozialen Ursprung besitzen: die Forderung nach Land, das sie zwar von der nicaraguanischen Regierung versprochen, aber nie erhalten haben. Als die damalige nicaraguanische Präsidentin Violeta Barrios de Chamorro am 31. Oktober 1991 das Dekret zur Errichtung des Naturreservats unterzeichnete, geschah dies im offenen Widerspruch zu den Interessen vieler dort lebender Menschen. Anstatt das versprochene Land zu bekommen, mussten sie erleben, dass land- und forstwirtschaftliche Nutzungsmöglichkeiten weiter limitiert wurden - und ihre Bewirtschaftungsformen gleichsam als Bedrohung ausgemacht wurden, vor der das Biosphärenreservat in Zukunft geschützt werden muss (14).

Dass es der nicaraguanischen Regierung trotz aller Rethorik bei der Gründung von Bosawas vornehmlich um „Umweltschutz“ ging, darf indes bezweifelt werden. Vieles deutet darauf hin, dass eine ökonomische Abwägung stattgefunden hat, die der künftigen Nutzung der Ware „Biodiversität“ den Vorrang vor der gewerblichen Abholzung sowie landwirtschaftlichen Nutzung gibt. Von anderer Seite wird jedenfalls offen das ökonomische Interesse an der biologischen Vielfalt bekundet. Bezogen auf die Tätigkeit der GTZ in Zentralamerika, schreibt die Deutsche Botschaft in Costa Rica: „Um den Verlust der Biodiversität entgegenzuwirken, wird langfristig angestrebt, innerhalb und außerhalb von Schutzgebieten die Anwendung miteinander kompatibler, umweltverträglicher und gleichzeitig produktiver Ressourcennutzungsformen betriebsübergreifend in so genannten „Biologischen Korridoren“ zu fördern und eine ökonomisch attraktive nachhaltige Nutzung der Biodiversität zu gewährleisten“ (15).

Für eine den offiziellen Darstellungen gegenüber skeptische Interpretation spricht auch, dass der Schutz des mesoamerikanischen Biokorridors integraler Bestandteil des Infrastrukturprojekts „Plan-Puebla-Panamá“ ist (16). Dieses Ende der 90er Jahre iniziierte Projekt zielt auf die wirtschaftliche Erschließung Mittelamerikas und seiner natürlichen Ressourcen. KritikerInnen warnen dabei gerade vor einer Kommerzialisierung des biologischen Reichtums der Region und verweisen darauf, dass „ein großer Teil der Organisationen, die sich für die Schutzzonen engagieren, (Privatinvestoren, sog. Umweltschutz-NGOs und Gen-Giganten wie Monsanto, Syngeta, Pulsar etc.), wirtschaftliche Interessen an der Ausbeutung und Patentierung der vorhandenen Pflanzen oder einzelner Gene daraus hat.“ (17). Ein Einwand der nicht von der Hand zu weisen ist, zählen doch gerade die genannten Konzerne zu den eifrigsten Förderern des Plan-Puebla-Panamá (18).

Vor diesem Hintergrund ist es wenig überraschend, dass die KfW-finanzierten „Schutzmaßnahmen“ des Umweltministeriums von anderen ordnungspolitischen Aktionen der nicaraguanischen Regierung begleitet werden, die offenbar die letzten „Risiken“ einer künftigen Vermarktung beseitigen sollen - und gleichzeitig die sozialen Phrasen der KfW konterkarieren. Teilweise mit massivem Polizei- und Militäraufgebot begann am 15. Mai 2003 die zwangsweise Umsiedlung von BäuerInnen, die sich in den vergangenen Jahren in der Region niedergelassen haben. Rund 600 Familien - also mehrere tausend Menschen - sollen laut dem stellvertretenden Umweltminister Eduardo Marin vertrieben werden, ohne dass die nicaraguanische Regierung diesen Menschen anderswo eine Existenzmöglichkeit garantieren kann oder will (19).

Ein Blick in die Zukunft

Während die negativen Auswirkung der - unter Mithilfe der KfW zustande gekommenen - wirtschaftlichen und sozialen Umgestaltungen offensichtlich sind, werden die Vorarbeiten für das nächste Großprojekt deutscher Entwicklungshilfe gerade abgeschlossen. Für die Errichtung eines Klärwerks in der nicaraguanischen Hauptstadt Managua stellt die KfW knapp 40% der insgesamt für das Projekt veranschlagten 70 Millionen US-Dollar bereit.

Dass die KfW dieses Projekt als Schritt zur „Sanierung des Managua-Sees“ feiert und dessen ökologischen und sanitären Nutzen heraus zu stellen sucht, mag den Gesetzen der öffentlichkeitsarbeit folgen. Die Realität ist jedoch auch in diesem Fall durchaus widersprüchlicher. So sprechen selbst Verantwortliche der nicaraguanischen Wasserbehörde von nur kosmetischen Verbesserungen, die das Klärwerk für die Wasserqualität im stark verschmutzten Managua-See bewirken wird (20). Zudem wird das von der KfW und der nicaraguanischen Regierung formulierte Ziel, eine weitere Verschmutzung des Sees zu verhindern, von der Praxis ad absurdum geführt. Ende September berichteten nicaraguanische Medien über regelmäßiges Verkappen giftiger Industrieabwässer in einen Zufluss des Managua-Sees. Laut AnwohnerInnen stammen die Abwässer aus Textilbetrieben, die in einer 25 Kilometer außerhalb der Hauptstadt gelegenen „Zona Franca“ angesiedelt sind. Offenbar entsorgen die Unternehmen ihre Abwässer bereits seit Monaten auf diese Art - mit Kenntnis und Duldung des Umweltministeriums (21).

So sehr sich der tatsächliche Nutzen des Klärwerks erst erweisen muss, die sozialen Risiken des Projektes liegen auf der Hand. Die KfW selbst legt Wert auf die Feststellung, dass dieses Projekt im Zusammenhang mit dem Voranschreiten der „Reform“ des Wassersektors zu sehen sei (22). Entsprechend stellte sie bereits in der Planungsphase klar, dass die Finanzierung des Projektes von seiner „Nachhaltigkeit“ abhinge. Konkret verlangte sie von den nicaraguanischen Behörden, im Laufe des Projektes die Wassertarife um etwa 250% zu erhöhen sowie die Verwaltung zu privatisieren. Schließlich gelte es, die Wasserver- und Abwasserentsorgung so rentabel zu machen, dass sowohl die Instandhaltung der Installationen als auch die Kreditrückzahlungen garantiert werden können (23).

Marktwirtschaftliche Weitsicht

Bemerkenswert ist, dass die KfW mit dem Projekt in Managua ihrem Tätigkeitsgebiet „Wasser“ treu bleibt (24). Erklärlich ist es allemal. Nicht nur nicaraguanische PublizistInnen (25) verweisen darauf, dass in Zukunft die natürlichen Ressourcen, Über die die zentralamerikanischen Staaten momentan scheinbar im überfluss verfügen - Wasser und Biodiversität -, zu begehrten, weil knappen Rohstoffen werden könnten. Mit den von ihr finanzierten Projekten hat die KfW jedenfalls dazu beigetragen, die „Inwertsetzung“ und damit die (internationale) Handelbarkeit dieser Güter zu fördern, und damit einen Markt vorzubereiten, in dem auch deutsche „global-player“ ihre Zukunft sehen. Die Erfahrungen der bisherigen Projekte verweisen darauf, wer dabei auf der Strecke bleiben wird.

Um nicht unfair zu sein: Von den gegenwärtig sechs in Nicaragua realisierten KfW-Projekten (26), beschäftigt sich eines - dem ersten Anschein nach - zumindest indirekt mit der Bekämpfung von Armut: die Beteiligung am so genannten Sozialinvestitionsfonds FISE. Dabei gibt die KfW pikanterweise selbst zu, dass die Einrichtung dieses Fonds, der dazu dienen soll, der verarmten Bevölkerung „den Zugang zur sozialen und wirtschaftlichen Infrastruktur“ zu erleichtern, ursächlich mit der Notwendigkeit der „Abmilderung der kurzfristig negativen Folgen der tiefgreifenden Strukturanpassungsprogramme“ verbunden sei (27). Ob dieses Engagement jedoch ausreicht bzw. überhaupt geeignet ist, um die von der KfW mit zu verantwortenden kommenden sozialen Ausgrenzungen zu kompensieren, ist zu bezweifeln.

KfW-Projekte in Nicaragua

(Der Artikel wurde veröffentlicht in der Zeitschrift "Informationen aus Lateinamerika" (ila) Nr. 272 vom Februar 2004.)


Die „Kreditanstalt für Wiederaufbau“ (KfW)

Knapp 1,3 Milliarden Euro stellte die in öffentlicher Hand befindliche KfW im vergangenen Jahr für die „Förderung der Entwicklungsländer“ zur Verfügung - davon etwa je zur Hälfte Kredite und Zuschüsse. Damit ist die KfW die wichtigste Institution in der so genannten „Entwicklungszusammenarbeit“ in der BRD. Wie ihrer Selbstdarstellung zu entnehmen ist, fördert die KfW im Auftrag der Bundesregierung „Investitionen sowie gesamtwirtschaftliche und sektorale Reformprogramme in den Entwicklungsländern“. Derzeit sind es insgesamt 1.408 Vorhaben in 109 Ländern.

Gemessen am gesamten Fördervolumen (Kredite, Avale, Verbriefungen und Zuschüsse) spielt der „Entwicklungshilfe“-Sektor mit einem Anteil von lediglich 2,5% innerhalb der KfW jedoch eine völlig untergeordnete Rolle. Vorrangige Aufgabe der KfW ist die Bereitstellung von Krediten im Rahmen der so genannten „Investitionsförderung in Deutschland“ (im Gesamtvolumen von 46 Milliarden Euro) sowie der „Export- und Projektfinanzierung“ (6 Milliarden Euro). Institutionell liegen also öffentliche Förderung der bundesdeutschen (Export-)Wirtschaft und die staatliche „Entwicklungshilfe“ in einer Hand. Ein Problem scheint darin niemand zu sehen - im Gegenteil: der Ausbau privatwirtschaftlicher Strukturen in der „Entwicklungszusammenarbeit“ wird vielmehr als ausdrückliches Ziel definiert.

Allein im vergangenen Jahr förderte die KfW-Tochtergesellschaft „Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH“ (DEG) privatwirtschaftliche „Entwicklungsprojekte“ mit 460 Millionen Euro. Darüber hinaus wurde die DEG im Rahmen des vom BMZ initiierten Programms für „Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft“ (Public Private Partnership, kurz PPP) aktiv. Diese PPPs zielen darauf ab, dass Privatunternehmen sich an öffentlichen Investitionen beteiligen, und nach dem Projektabschluss bspw. über Gebühren ihre Investitionssumme zurück erhalten - zuzüglich kalkuliertem Gewinn. Seit 1999 hat die DEG insgesamt 231 dieser PPP-Projekte gefördert.

Angesichts dieser offensichtlich marktwirtschaftlichen Orientierung von BMZ, KfW und DEG verwundert es auch nicht, dass der Großteil der bundesdeutschen „Förderung der Entwicklungsländer“ in Projekte in wirtschaftlich attraktive Schwellenländer fließt - knapp 30% der Mittel allein in die vier wichtigsten Zielländer: Türkei, Indien, China und Indonesien. Dabei ist davon auszugehen, dass sowohl die allgemeine, strategische Zielsetzungen als auch konkrete Vorhaben der KfW in enger Abstimmung mit der rot-grünen Regierung entwickelt wurden. Schließlich sitzt mit den MinisterInnen Eichel, Clement, Fischer, Künast, Stolpe, Trittin und Wieczorek-Zeul das halbe Bundeskabinett im Verwaltungsrat der KfW.

(Alle Zitate und Fakten sind Publikationen der KfW entnommen, v.a. aus dem „Geschäftsbericht 2002“ sowie dem Jahresbericht über die Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern 2002 "Neue Energie für eine Entwicklung mit Zukunft" (1,4mb).)

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(1) Presseerkärung der KfW vom 16. Oktober 2002

(2) Sicherlich kein Beweis, aber zumindest ein einfaches (und reproduzierbares) Beispiel für diese unterschiedliche Wahrnehmung ist die geringere Präsenz der KfW in globalisierungskritischen Publikationen im Internet: sucht mensch in den von „Google“ durchsuchten Seiten aus Deutschland nach Dokumenten, in denen sowohl KfW als auch der vorzugsweise negativ verwendete Begriff „neoliberal“ verwendet werden, so wird er/sie 78 mal fündig. IWF und „neoliberal“ ist zehmal so häufig zu finden: 766 mal. (Stand: 4.September 2003)

(3) Die KfW legt dabei in ihrem Jahresbericht über die Zusammenarbeit mit Entwicklungsländer 2000 mit dem Titel „Wirtschaft ist der Anfang vom Ende der Armut.“ (1,9mb) Wert auf die Feststellung, dass 1990 die „ersten freien Wahlen“ in Nicaragua stattgefunden haben und die siegreichen Kräfte seither an der „Demokratisierung und der wirtschaftlichen Stabilisierung“ arbeiteten. (Die ebenfalls in öffentlicher Hand befindliche „Gesellschaft für technische Zusammenarbeit" (GTZ) geht auf ihrer Homepage zu Nicaragua in puncto Gesichtsrevisionismus noch einen Schritt weiter: für sie war die Abwahl der FSLN nichts weniger als die „Rückkehr zur Demokratie“.)

(4) Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit: Entwicklungszusammenarbeit mit Zentralamerika (2004)

(5) Internationaler Währungsfond: Enhanced Structural Adjustment Facility, Economic Policy Framework Paper for 1999-2001, 23. August 1999

(6) KfW-Projektkurzsarstellung: „Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung Matagalpa, Jinotega und Corinto“

(7) KfW-Schlussprüfung: „Nicaragua: Rehabilitierung und Erweiterung von Stromverteilungssystemen II“ (82kb)

(8) KfW: Jahresbericht über die Zusammenarbeit mit Entwicklungsländer 2000 „Wirtschaft ist der Anfang vom Ende der Armut.“ (1,9mb)

(9) siehe dazu u.a.: „Vom Staats- zum Privatmonopol - Die Privatisierung der Stromverteilung und ihre Folgen“

(10) Nicaragua-Forum Heidelberg: „Union Fenosa ist bankrott!“, 19. August 2003

(11) KfW: „Nicaragua: Rehabilitierung und Erweiterung von Stromverteilungssystemen II, Schlussprüfung“ (82kb)

(12) KfW-Projektkurzdarstellung vom 3. September 2002

(13) die linksgerichtete Guerillagruppe FUAC, die Miskito-Organisation YATAMA sowie Verbände, die sich aus ehemaligen Contra-Gruppen rekrutierten

(14) siehe dazu u.a.: David Kaimowitz: „Resources, Abundance and Competition in the Bosawas Biosphere Reserve, Nicaragua“

(15) Deutsche Botschaft in Costa Rica: GTZ - CCAD Programm zur Konsolidierung eines mittelamerikanischen Biokorridors

(16) siehe dazu u.a.: „Informe de la comisión de financiamiento del Plan Puebla-Panamá“, 15. Juni 2002

(17) Nicaragua-Forum Heidelberg: „Widerstand gegen die Globalisierung, Mittelamerika zwischen NAFTA, PPP und ALCA“

(18) siehe dazu u.a.: ACERCA/ASEJ

(19) Nicaragua-Forum Heidelberg: "MARENA wirft Siedler aus dem Bosawas-Naturschutzgebiet hinaus" vom 7. April 2003 und "Bosawas Räumung beginnt" vom 26. Mai 2003

(20) La Prensa: „Xolotlán sólo recibirá saneamiento cosmético“, Managua, 5. September 2002

(21) El Nuevo Diario: „¡Pobre Xiloá y el Xolotlán“, Managua, 25.September 2003

(22) KfW: „Ejemplos de Proyectos del KfW“

(23) Confidencial: „Paralizado proyecto de saneamiento del Lago“, No. 111, Septiembre 1998

(24) Dies gilt im übrigen nicht nur für Nicaragua, sondern - wie die KfW selbst schreibt ist „die Wasserwirtschaft Schwerpunkt der Entwicklungszusammenarbeit“ und macht im Volumen rund ein Viertel aller Zusammenarbeitszusagen aus.
KfW: „Die Förderung der Trinkwasserversorgung“

(25) siehe dazu u.a.: Interview mit María Lopez Vigil, Chefredakteurin der Zeitschrift envío, in „Rundschreiben 2/03“ des Informationsbüro Nicaragua e.V., Wuppertal

(26) Neben den in diesem Artikel dargestellten Projekten sind dies noch ein Projekt zur Wasserversorgung in ländlichen Gebieten und zur Sanierung von Stromverteilungs- und übertragungssystemen. Ohne auf diese Projekte näher einzugehen, sei doch darauf verwiesen, dass auch diese laut KfW im Kontext umfassender „Sektorstrukturreformen“ zu sehen sind.

(27) KfW-Projektkurzdarstellung vom 7. März 2002